In trockenen Büchern

Unlesbares hörbar gemacht

ITB020 Bedeutungslosigkeit

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Das Individuum ist heute mit der gesellschaftlichen Leitidee konfrontiert, alles sei möglich und jedes Ziel erreichbar. Das führt zu einer weit verbreiteten Angst, die eigenen Potenziale nicht voll auszuschöpfen und ein unbedeutendes, erfolgloses Leben zu führen. Die Entwicklung eines stabilen Selbstwertgefühls wird so erschwert. Die Vorherrschaft einer kommerzialisierten Selbsthilfekultur der Selbstoptimierung verhindert eine intensive Beschäftigung mit grundlegenden existenziellen Fragen. Mithilfe philosophischer, psychologischer, soziologischer und ökonomischer Theorien analysiert und kritisiert Carlo Strenger in einzigartiger Weise diese Entwicklung und zeigt, wie durch eine aktive Anerkennung des eigenen Selbst und durch eine ernsthafte intellektuelle Auseinandersetzung mit dem eigenen Weltbild eine bedeutungsvolle Lebensführung gelingen kann.
(Klappentext)

Fühlt ihr euch auch nur ein bisschen angesprochen? Dann beschäftigt euch mit den Thesen in diesem Buch! Die Angst vor Bedeutungslosigkeit (Englischer Originaltitel: The Fear of Insignificance) ist eine philosophische Therapie gegen die Schäden, die unsere Selbstachtung in social media nimmt.

Korrektur: Das Buch ist nicht 2011, sondern 2016 im Psychosozial-Verlag auf deutsch erschienen. Das englische Original gibt es jedoch seit 2011. 

22 Kommentare

  1. Einer der besten Folgen bisher! Ich freue mich, dass dad Projekt nach der langen Pause wieder weitergeht. Ich selbst habe so meine Schwierigkeiten mit längeren Texten und bin darum sehr dankbar für diesen inhaltsvollen Podcast.
    Lieben Dank Alexandra.

  2. Vielen Dank für diesen Beitrag, der mich in vielen Punkten angesprochen hat. Ich habe mich häufig erwischt bei Deinen Schilderungen nickend zuzustimmen. Ich wünsche Dir schöne Weihnachtstage und für 2019 Glück, Gesundheit, Freude und Zufriedenheit. Liebe Grüße aus Heidelberg. Valentin

  3. Hallo Alexandra, vielen Dank für eine abermals sehr Interessante und eine zeitlich so relevante Folge. Das Tehma soziale Medien hat Dich offensichtlich sehr beschäftigt. Deine Ausführung hat mich in meiner Entscheidung, mich nicht den sozialen Netzwerken zu engagieren, weiter bestätigt. Mein Facebook hatte ich wenige Monate nach dem der Dienst in Deutschland startete wieder gelöscht. Offensichtlich war es die richtige Entscheidung.
    Allerdings sind die sozialen Medien nur ein Nebenschauplatz. Wenn ich es richtig verstanden habe geht es zu guter Letzt doch arum seinen eigenen Weg zu finden. Bekanntlich ist das schwer. Etwas Hoffnung besteht allerdings darin, dass mit zunehmendem Alter die Chancen besser werden diesen zu finden und sich somit ein glückliches Leben einstellen kann. Vielleicht ein ganz schöner Trost für das älter werden.
    Vielen Dank für die schöne Podcastepoisode die mich sehr gut bei meiner kleinen Wanderung heute begleitet hat.

  4. Mit dieser Folge hast du einen Follower mehr! :D \o/

    Ich habe neulich (erst) „Catch me if you can“ geschaut und im Kontext zu deinem Beitrag würde ich jetzt gar „Influencen“ als „Neo-Hochstaplertum“ – „Neofrauding“ bezeichnen…

    Ich möchte noch einen Gedanken mitgeben: Wir „Erwachsenen“ wollen selbst eher aus der Höhle ausbrechen (oder eben drin bleiben), aber wir haben auch die Verantwortung gegenüber den Heranwachsenden und entscheiden gewissermaßen mit unserem Tun und Nichttun, ob sie in unsere Höhle oder gar andere Höhlen eintreten ind dort sich fesseln. Es gibt also auch EINGÄNGE. Gibt es schon Ideen, diesen absurden – wirklich häufig auch von Alex belachten absurden Eingang in die Höhle der Verirrten
    Neofrauds zu schließen?

    • Super Idee! Aber wer soll diese Aufgabe übernehmen? Die Eltern, selbst in der Höhle gefangen, sind darum bemüht, die Kinder zu funktionierenden Rädchen im kapitalistischen System zu machen. Erziehung zu Konsum (oft getarnt als Bildungsliebe , z.B. wenn endlos neue Bücher gekauft werden), musikalische Früherziehung, damit das Gehirn sich zu einem leistungsfähigen entwickelt, oder: neulich werde ich von Eltern gefragt, wie sie ihrem 10-jährigen Kind dabei helfen können, seine Kurzgeschichten aka Erlebnisaufsätze in einem renommierten Verlag zu veröffentlichen – geht’s noch?
      Die Schule kann es nicht leisten, da es an engagierten Lehrern und Freiheit in der Lehrplangestaltung mangelt. Vielleicht könnte man es mit guten Geschichten versuchen, die witzig, hintergründig und entlarvend sind und den Kindern Mut machen, die Erwachsenen zu kritisieren. Tipp doch schon mal los, Felix! Ich weiß, dass gerade du es könntest! :D

    • Ich glaube diese Eingänge werden nicht geschlossen, solange es der einfachere Weg ist in der bequemen, warmen, vertrauten Höhle zu sitzen in der scheinbar alle sind. Es schwimmt sich eben doch einfacher mit dem Strom.

      Zur Kritik an Erwachsenen von Kindern, also dem Vorschlag von Alexandra: Als Kind ist der Erlebnis und Begreifhorizont doch meistso beschränkt, dass selbst die “Reise” in die nächste, 10km entfernte Stadt ein Abenteuer ist. Selbstreflexion des Ichs und der Umwelt kommt doch oft erst viel später (bei vielen leider auch gar nicht). Insofern ist das zwar eine nette Idee aber leider eher unrealistisch. Es sei denn es treten Probleme auf wie aktuell der Klimawandel und Kinder fangen an die Eltern zu fragen warum sie denn wie blöde konsumiert haben und wieso es denn 2 Autos sein mussten etc. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  5. Hi,
    auch ich bin froh, dass es hier wieder weitergeht und hoffe natürlich, dass die zukünftigen Folgen nicht ganz so lange auf sich warten lassen.

    Eine Sache konnte ich allerdings nicht so ganz verstehen. Du hattest darüber geredet, dass dich deine polnische UND deutsche Herkunft eingeschränkt hätte und du aus dieser erst ausbrechen musstest. Aber wo ist das denn bitte eine Einschränkung? Wenn man zwei Herkünfte hat – und damit zwei Sprachen kann, zwei Kulturen kennt etc. – ist das dann nicht eher das Gegenteil einer Einschränkung und sogar eine Bereicherung, die einem Vorteile gegenüber Anderen bietet?

    • ja, natürlich ist mehrsprachigkeit und bikulturalität eine bereicherung! aber eben nicht, wenn man 13 jahre alt ist, in einer kleinstadt lebt in der es kaum andere ausländer gibt und jeden tag zu spüren bekommt, dass man nicht dazugehört, weil man akzent hat, uncool aussieht und die einheimischen gepflogenheiten nicht kennt. aus polen zu sein war besonders in den 90er jahren ein stigma.

  6. Vielen Dank für diese gut vorbereitete und überzeugende Folge! Ich habe das Hören sehr genossen und es sah bestimmt merkwürdig aus, wie ich mit Kopfhörern in den Ohren immer wieder zustimmend nicken musste.
    Viele Grüße und alles Gute für das nächste Jahr!

  7. Vielen Dank für dieses Weihnachtsgeschenk. Ein wahrer intellektueller Festtagsbraten.
    Was lebe ich doch in tollen Zeiten, ein solch elaboriertes Essay so schön verfügbar zu haben.
    Und ohne die glitzernden Paläste an den Hauptstraßen wäre zumindest mir gar nicht klar, dass meine Lieblingsplätze halt in den weniger besuchten Seitenstraßen sind.
    Danke Alexandra.

  8. Vielen Dank! Einer der wenigen Podcasts, die ich mir 2x angehört habe. Sehr sehr gut vorgetragen und zusammengefasst. Mit so vielen Infos und interessanten Gedanken. Danke!

  9. Vielen Dank für diese Folge, die soviel wichtiges Anspricht.
    Je älter ich werden, desto wenig mache ich im Netz und freue mich einfach nur über den eigenen Blog. Zudem ist es auch einfach wichtig, Zeit “sinnfrei” zu verwenden.

  10. Ich habe mich sehr über die neue Folge gefreut! Und ja, ich glaube, die höre ich mir auch ein zweites Mal durch. Vielen Dank!

  11. Liebe Alexandra! Ich habe die Folge noch nicht gehört. Trotzdem hab ich den dringenden Wunsch dir jetzt schon zu danken. Leider kann ich den Dank nicht in Geldzusendungen ausdrücken…
    Jedenfalls bin ich sehr erleichtert, dass es ITB noch gibt, das wollte ich hiermit sagen. Jede einzelne Folge war bisher grandios.

  12. Hallo Alexandra, schön dass es hier weiter geht. Habe mich beim Hören dieses Podcasts aber auch bei deinen letzten Gesprächen in der Wrintheit immer wieder gefragt: „Kennt die Alexandra eigentlich das Projekt http://www.exactitudes.com ?“ Das ist ein Fotoprojekt in dem Menschen „sortiert“ werden. Ich find das passt hervorragend ins Thema Bedeutungslosigkeit. Es verdeutlicht die Frage wie einzigartig Menschen sind und sich fühlen. Und wie sehr diese Einzigartigkeit durch die Vergrößerung der Bezugsgruppe in Frage gestellt wird.
    Danke für die tolle Folge.

  13. Hallo Alexandra,
    vielen Dank für diese interessante Folge. Sie hat mir einige anregende Gedanken geben.
    Solche möchte ich auch zurück geben:
    Du hast am Anfang gesagt, dass sich dein Weltbild öfter geändert hat. Meines tut es u.a. seit dem Kennenlernen der Omnisophie von Gunter Dueck(Ex-CTO von IBM Deutschland) nur noch wenig. Mit ihr verstehe ich mich selbst und meine Mitmenschen deutlich besser. Grundlage ist seine philosophische These, seine Analogie, dass das menschliche Gehirn drei unterschiedliche Arten hat Informationen zu verarbeiten und bei den meisten Menschen eine davon die dominierenden ist. Er nennt sie richtig, wahr und natürlich. Und diese drei Gruppen liegen bei so ziemlich jedem Thema im Streit was den jetzt die richtige Perspektive ist (z.B. Aristotles vs Planton vs Epikur). Es haben alle drei gleichzeitig recht, weil sie einfach unterschiedliche Perspektiven sind.
    Ich kann dazu das Buch (^^) nur empfehlen. Genau genommen ist es eine Triologie und die Omisophie ist nur der Anfang. Diese sind allerdings keine trockenen Sachbücher, sondern aus der Ich-Perspektive subjektiv wie ein Monolog an den Leser geschrieben.
    Einen groben Überblick gibt diese Rezension: https://www.spektrum.de/magazin/omnisophie/830254
    Auch hat mich seine Sinndefinition, aus dem letzten der Triologie, sehr geprägt: “Der Sinn des Lebens ist, dass Menschen voller Sinn das niemals wissen müssen” :-) Oder anders: Wer etwas gefunden hat das ihm gefällt zu tun, der hat seinen Sinn gefunden.

    Das andere große Thema das mir viel Orientierung gab, ist das Konzept der Freiwirtschaft. Das aufzeigt, dass es mehr als nur die binäre Wahl zwischen Kapitalismus und Marxismus/Kommunismus/Planwirtschaft gibt. Märkte und Geld können auch anders funktionieren als wir es heute kennen. :-)

    Viele Grüße
    Sebastian

  14. Die 35 Euro kann ich mir nicht leisten.
    Den Titel gab’s auch nicht in meiner Bücherei. Aber ich habe die Anschaffung vorgeschlagen, und siehe da:
    “Der Titel wurde von unserem Lektorat geprüft und wird zeitnah den Bestand der Bücherhallen Hamburg ergänzen.”
    Yeeeeeeah!!

  15. Liebe Alexandra,

    ich bin geplättet! Deine Ausführung ist messerscharf, deine Beispiele auf den Punkt. Für mich bisher die beste Folge. Darf ich fragen, wie viel Vorbereitung in dieser Folge stecken? Bitte sag nicht, du hast dir das mal ebenso aus dem Ärmel geschüttelt hast.

    • Lieber Andreas,
      Der Adressat deines Lobes ist, glaube ich, in erster Linie Carlo Strenger! Und wenn du noch mehr messerscharfe Analyse möchtest, dann empfehle ich dir auch seine Bücher “Abenteuer Freiheit” und “Zivilisierte Verachtung”. Meine Leistung hier ist nur die analytische Zusammenführung der Kernideen – und natürlich die Beispiele – und das nimmt tatsächlich alles sehr viel Zeit in Anspruch, in etwa so viel, wie das Erstellen einer Seminararbeit. 1-2 Wochen Buch lesen, eine Woche zusammenfassen, nebenher beim Spazieren über Beispiele nachdenken, dann alles zu einem stimmigen Ganzen integrieren. Nach ca. einem Monat ist alles dann mehr oder weniger sendebreit. Du siehst: ist eine echte Zumutung! (Wenn’s nicht so viel Spaß machen würde…) ;-p

      • Auch dafür vielen Dank!
        Du bist die Rolltreppe die Zwerge auf die Schultern Riesen stellt :-)
        Auf viele der Bücher käme ich vermutlich selbst kaum, hätte nicht die Zeit sie zu lesen bzw. kein initiales intrinsische Interesse (nach dem Hören dann eher).
        Aber so bekomme ich die Kernbotschaft gut vermittelt.

  16. Eine sehr schöne Folge … und eine wichtige obendrein …

  17. Diese Folge hat mich sehr nachdenklich gemacht — vielen Dank dafür.

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